Na da kommt ja einiges zusammen und man darf sich fragen, ob es denn Zufall sei, dass die bisher bekannt gewordenen Fälle von gekauften Doktortiteln (der Abgeordnete Jasper), abgeschriebenen ("Dr. Copy/Paste" KT Guttenberg) und von der Partei gesponserten Dissertationen (Kohl-Groupie "Guckt-mal-ich-bin-jetzt-schwanger" Kristina Schröder/Köhler) sich bei den Mitgliedern des politischen Arms der christlichen Wertegemeinschaft häufen.

Christliche Werte und deutsche Leitkultur - lebendig wie nie in der CDU

Je nach Geldbeutel, Geschick und vorhandenem Anstandsgefühl bzw. intellektueller Redlichkeit stuft es sich ab, bei den Herren und Damen der Unionsfraktionen.

Ganz vorne natürlich Jasper aus dem Kreis Steinfurt. Er kaufte sich einen Titel bei der Schweizer Uni Teufen, die zurecht kein Mensch kennt.

Dann Kriegsminister und jetzt Minister-für-die-Verteidigung-in-eigener-Sache Guttenberg, der die Vorwürfe gegen ihn "abstrus" nennt, obwohl die FAZ die angeblich aus seiner Feder stammende Einleitung und den Aufsatz der Politikwissenschaftlerin Dr. Barbara Zehnpfennig sogar nebeneinander präsentiert. Ergebnis: sie gleichen sich auf's Wort und zeigen damit, dass Guttenberg geklaut hat. Dazu kommt die Aussage des Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano von der Uni Bremen, der die "Arbeit" an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung" nennt.

Der von der FAZ befragte Medienwissenschaftler Stefan Weber hält es für fraglich, ob Guttenberg die Arbeit überhaupt selbst verfasst hat.

Sich auf ein Versehen herausreden zu wollen dürfte angesichts des Diebstahls geistigen Eigentums gleich in der Einleitung, also einem der wichtigsten, weil meistgelesensten, Teile einer Arbeit, keine gute Idee sein. Gönnerhaft erklärte der schneidige Schleimbolzen allerdings, er sei bereit die Arbeit zu prüfen.

Update: Im "GuttenPlag Wiki" summieren die geklauten Textstellen auf über 80. Auf Dauer dürfte ein Kriegsminister, der sich hier auf "Zufälligkeiten" berufen möchte, auch für das Merkelsche Anarchokabinett untragbar werden. Aber wer will den Job machen und wer kann ihn machen? Wer möchte den Soldatenfamilien in Deutschland erklären, dass ihr Sohn/Tochter/Bruder/Ehemann leider so dolle hin"gefallen" ist, dass er/sie nicht mehr wird aufstehen können? Die Personaldecke bei Schwarz-Geld ist derart dünn, man müsste überlegen, ob Westerwelle nicht beide Jobs macht. Oder Niebel. Der zieht sich jedenfalls schon passend an.

Update 2: Der "Kölner Stadt Anzeiger" will erfahren haben, dass Guttenberg seine Arbeit nicht einmal selbst verfasst hat, sondern einen Ghostwriter beauftragt haben soll. Praktisch: Out-sourcing von lästiger Gehirnaktivität und intellektueller Leistung.

Update 3: Es gab in der CDU tatsächlich mal einen Kasper. Und der musste gehen, weil ... Moment es kommt gleich...er seine Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Wegen Verstosses gegen das Urheberrecht musste Kasper 90 Tagessätze à 100 Euro zahlen. Ausserdem verlor er, folgerichtig, seinen Job als Vorsteher des Landesverbands Lippe (siehe auch).

Rechtlich einwandfrei verhielt sich Kohl-Groupie (" Die in meiner Klasse haben für Pferde geschwärmt, ich für Helmut Kohl ") Frau Köhler/Schröder. Allerdings war ihr die Typ-II Arbeit (Typ-I heisst: ich will etwas herausfinden, bin neugierig, an der Sache interessiert, ich tue es für die Wissenschaft, während Typ-II bedeutet: ich will den Doktortitel, ob meine Arbeit fachlich relevant ist, ist mir egal) die mit kräftiger Unterstützung ihrer Parteifreunde zustandekam dann doch so peinlich, dass sie sogar CDU-Chefpropagandist Dieckmann von der Bild-Zeitung erst anrief, und ihm dann durch den ehemaligen Arbeitgeber ihres damaligen Verlobten (der arbeitet(e?) wohl mittlerweile im Innenministerium, na so ein Zufall) einen Drohbrief zukommen liess.

"In dem Zwei-Seiten-Brief droht Anwalt Martin Munz mit Schmerzensgeld im höheren sechsstelligen Bereich, wenn auf "unzulässige, rechtswidrige und tendenziöse" Weise berichtet werde." (SZ.de).

Groupie-Schröder/Köhler ist von den dreien immer noch die ehrlichste: Mit ihrer Schrott-Arbeit gibt sie zu nur über einen mediokren Verstand zu verfügen, gleichwohl die Mühen der empirischen Sozialforschung zu scheuen. Auf der anderen Seite gibt es bei ihr damit die wenigsten Zweifel an der Authentizität des Werkes.

Guttenberg dagegen präsentiert sich als im verborgenen operierender Gutsherr, der über jeden Zweifel erhaben scheint, und versucht den schönen Schein des schneidigen, klugen, beredten netten Jungen aus exquisitem Hause aufrecht zuerhalten. Papas Kohle, Vitamin B, und die Verbindungen seiner Porno-Steffie werden's schon richten.

Offenbar scheinen die Unions-Christen ein erhöhtes Bedürfnis nach Scheinheiligkeit zu haben. Keine gute Charaktereigenschaft.

Update 11.05.2011

Für die FDP im Rennen: Silvana Koch-Mehrin

Auch bei den NeoCons der FDP gibt es Leistungsverweigerer: Die schön blonde Silvana Koch-Mehrin stand ja schon länger unter Beschuss - jetzt greift sie dem wohl unvermeidlichen vor und tritt von allen politischen Ämtern zurück, behält aber ihr Abgeordnetenmandat.

Und wieder CDU: Matthias Pröfrock

Und weiter geht's: Der ebenfalls offenbar stinkfaule aber geltungssüchtige CDU-Abgeordnete Matthias Pröfrock verzichtet, seinem Lügenbaron Guttenberg folgend, auf das Tragen seines Doktortitels. Laut VroniPlag soll er nämlich, was auch sonst, betrogen haben.

Update 07.07.2011: Der Titel ist futsch. Die Uni Tübigen entzog dem Betrüger Pröfrock den Titel. Pröfrock selbst will aber Landtagsabgeordneter bleiben. Die Wähler hätten ihn schliesslich nicht wegen seines Doktortitels gewählt.

Diesmal CSU: Vroni Stoiber-Sass

Und eine gibt's noch: Der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und jetzigen Europa-Touristen Ede Stoiber von der CSU, Veronica Sass, wurde ihr Titel bereits aberkannt. Sie will sich aber nicht damit abfinden, dass für sie dieselben Maßstäbe wie für alle anderen sterblichen Menschen gelten sollen, schliesslich war ihr Papa von der CSU ja mal bayerischer Ministerpräsident - und kommt damit in der bayerischen Hierarchie gleich nach Gott. Frau Sass möchte daher mit ihren Anwälten den Klageweg beschreiten.

Tja Herr Stoiber, wenn das die christlichen Werte sind, die Sie ihrer Tochter mitgegeben haben, dann bin ich doch sehr froh kein Christ zu sein. Und wenn doch, dann müsste ich mich jetzt lange und ausgiebig fremd schämen und dann austreten aus dem verlogenen Verein.

Nochmal der Lügenbaron Guttenberg

Die Uni Bayreuth bescheinigt ihm vorsätzliche Täuschung. In ihrem 83 Seiten umfassenden Abschlussbericht (.pdf) stellt die Kommission fest, dass Guttenberg "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat" (S. 13). Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft in Hof wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht. Mehr als 100 Anzeigen sollen vorliegen.

Update 07.07.2011

Wieder CDU: Bernd Althusmann

Der nächste Betrüger und Dieb geistigen Eigentums ist Bernd Althusmann, Kultusminister aus Niedersachsen und gleichzeitig Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, einem Gremium von Spezialexperten deren wichtigstes Instrument die Reform ist. Deswegen macht sie davon ausgiebig und flächendeckend Gebrauch. Althusmann hat aber nicht abgeschrieben oder gar betrogen: nein, Gott bewahre!, der Mann ist doch ehrlich, er hat seine Arbeit nach den ihm "damals bekannten Zitierstandards angefertigt", sagt er. Damit bestätigt er allerdings nur, was in seiner Dissertation offensichtlich wird: dass er tatsächlich von wissenschaftlichem Arbeiten keinen blassen Schimmer und wohl auch kein Interesse daran hatte, als er seine Arbeit aus etwa 10 Werken zusammenkopierte. Ausnahmsweise wurde dieser Betrug nicht von den mindestens links-extremistischen "Plagiatsjägern", die sich ausnahmslos von gefunden Plagiaten bei Politikern der "Schwarzen Pest" oder der "Gelbsucht (Hep. A-C)" ernähren, entdeckt, sondern von der Wochenzeitung "Die Zeit".

Rücktrittsforderungen sind selbstverständlich völlig überzogen, schliesslich ist der Mann nicht wegen seines Doktortitels Kultusminister.

Und nochmal FDP: Margarita Mathiopoulos

 Für Frau Mathiopoulos steht der Plagiatszähler bei 44,6% Seiten, die Plagiate enthalten.