Edward Snowden, »WannaCry«: Der »True HOOHA« reagiert Putin-konform auf die Ransomware-Verbreitung

Dass der Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden keinerlei technische Expertise über seinen Twitteraccount verbreitet, sollte an diesem Wochenende der Verbreitung der »WannaCry«-Ransomware selbst seinen größten Bewunderern aufgefallen sein. »The true HOOHA« Snowden, der seit seiner Flucht aus den USA nach Moskau unter der Obhut des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB lebt, feuerte einen Tweet nach dem anderen gegen seinen früheren Arbeitgeber, die National Security Agency (NSA), in denen er sie für den jüngsten Ransomware-Vorfall verantwortlich macht. Und zwar ausschließlich die NSA.

Man sollte erwarten, dass jemand, der sonst als technischer oder IT-Experte bezeichnet wird, und der bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorgibt sich um die Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer zu sorgen, wenigstens einmal den nächstliegenden Rat gibt:

1/ Patch your stuff.

– @ErrataRob, 12.05.2017

 Nicht so Snowden. In den 12 Tweets zur WannaCry-Verbreitung, die von seinem Account versendet wurden, erwähnte Snowden die NSA 11 mal, 10 davon mit einer Mention, um ihr mitzuteilen, dass sie:

  1. das Leben von Patienten gefährde
  2. westliche (sic!) Software gefährde (was für eine merkwürdige Wortwahl für jemanden, der gebürtiger US-Amerikaner sein soll, und kein FSB-Agent mit Englischkenntnissen, insbesondere dann, wenn ein Großteil der betroffenen Rechner in Russland steht)
  3. vom US-Kongress befragt werden müsse, ob noch andere Software in »unseren« (wieder in der richtigen Rolle?) Krankenhäusern gefährdet sei
  4. das Internet zerstöre
  5. Schuld an Ransomware sei
  6. unfähige Kriminelle in die Lage versetze, Angriffe zu starten, die sonst nur Regierungen durchführen könnten.

Insgesamt sechs von den 12 Tweets stellten das emotional aufregendste Szenario, nämlich die Beeinträchtigung des Krankenhausbetriebs in Großbritannien, in den Mittelpunkt. Dass die betroffenen Krankenhäuser, nach jetzigem Stand, vornehmlich britisch waren, und Autohersteller wie Renault und Dacia, das russische Innenministerium, die Deutsche Bahn AG oder das Logistikunternehmen FedEx ebenfalls betroffen waren, interessierte Snowden nicht.  Das ist keine technische Expertise. Das ist lupenreine Agitprop.

Echte, von Putin unabhängige, Experten dagegen verwiesen auf die Wichtigkeit von Software-Updates, aktueller, verifizierter Backups, der Einhegung von Risiken, sowie darauf, dass ganz offenbar der Update-Prozess bei manchen kritischen Infrastrukturen nicht richtig funktioniere.

Was bleibt, ist Politik für Putin

Während also Sicherheitsexperten Fragen stellten, wie zukünftig eine solche Situation vermieden werden könnte, machte der bekannteste Aktivposten des FSB, Edward Snowden, das, wofür er in Russland Asyl bekommen hat: Politik für Wladimir Putin.

Das alleine wäre noch kein Problem: von Gérard Depardieu über Marine Le Pen zu Steven Segal und der deutschen AfD verwenden sich viele Westler, überwiegend Männer, für den russischen Macho-Autokraten Putin. Traurig stimmt jedoch, wenn Snowdens Talking Points von einigen deutschen Qualitätsmedien und »Netz-Aktivistinnen« beinahe wortgleich wiederholt werden.

Die Süddeutsche Zeitung titelte, dass dieser »globale Cyber-Angriff« zeige, »wie riskant die Arbeit der Geheimdienste« sei. Im selben Artikel wird »Netz-Aktivistin« Katharina Nocun zitiert: die Nachrichtendienste machten sich mitschuldig, wenn »Krankenhäuser gefährdet werden«.

Um es mit einem Wort des KGB-Generals Ivan Agayants aus dem Jahr 1965 zu sagen: »Wenn sie keine Pressefreheit hätten, wir müssten sie für sie erfinden«.

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